Enter your keyword

Dieser österreichische Gartenblog beinhaltet Gartentipps für Blumen, Gemüse und Gärtnern im Topf, interessante Buchvorstellungen und Einblicke in Salzburgs unvergleichliche Natur. Zudem wird fleißig gekocht und gebacken.

Großglockner

Mit einem Fiat 500, Baujahr 1974, auf den höchsten Berg Österreichs

Für manche ist es erst Urlaub, wenn man in die Ferne schweifen kann. Je weiter weg, desto besser. Wir wollten heuer in Österreich bleiben. Es passiert im Moment ohnehin genug in der Welt und hier ist doch (noch) ziemlich ruhig. Gott sei Dank! Zudem verliert man gerne den Blick für alles in der Nähe. Nach Österreich strömen jedes Jahr tausende Touristen, aber man selbst nimmt Reiseziele, die nur wenige Kilometer von einem entfernt liegen, so gut wie nicht wahr. Das wollten wir ändern.




Die Idee den Großglockner mit dem Fiat 500 zu befahren schwebte uns schon lange vor. Doch sie scheiterte bislang daran, dass unser Spucki seit unserer Hochzeit vor drei Jahren nicht ganz funktionstüchtig in der Garage stand. Jakob raffte sich aber heuer auf, ihn wieder flott zu machen. Was mit dem Austausch von ein paar Teilen begann, endete in einer Rundumüberholung des kleinen Autos und mehreren damit verbundenen Bestellungen beim Spezialhändler im Internet. Von der Zündung bis zum Vergaser wurde alles getauscht. Zudem bekam der Fiat 500 auch noch eine verchromte Zierleiste (Luxusausstattung um € 7,90) sowie Weißwandringe verpasst. 

Nach ein paar Probefahrten, die eigentlich alle recht gut verliefen, war es endlich so weit. Wir starteten über das Berchtesgardner Land, Zell am See, Fusch an der Glocknerstraße auf die Edelsweißspitze - den höchsten mit dem Auto befahrbaren Punkt Österreichs. Mit dem Gepäck mussten wir zwar ein bisschen sparsam umgehen, denn ein Lastesel ist ein Fiat 500 gerade nicht, aber das machte nichts.

Station 1: Zell am See - der Fiat 500 gibt sein Bestes

Der erste Teil der Route führte uns von Seekirchen nach Zell am See. Konnten wir den ersten Teil der Fahrt noch mit offenem Fetzendach genießen, wurden wir an unserem Ziel vom Regen eingeholt. Die Kapruner Stauseen konnten wir zwar besuchen, mussten aber mit sehr feuchtem Wetter vorlieb nehmen.






Den Abend verbrachten wir direkt in Zell am See. Es war kalt. Richtig kalt. Dennoch ließen wir es uns nicht nehmen die Licht- und Lasershow anzuschauen. Immerhin war es am Abend trocken.




Station 2: Edelsweißspitze am Großglockner - der Fiat 500 wird auf die Probe gestellt

Am nächsten Morgen war von all dem Regen vorerst nichts mehr zu sehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es an die Etappe der Etappen - von Zell am See auf den Großglockner. Der Fiat schnurrte brav vor sich hin. Natürlich musste man auf der Strecke ein paar Pausen einplanen, denn der 42 Jahre alte Herr hat nicht so viele Pferdestärken unter dem Autositz versteckt, um die Fahrt in einem Zug zu schaffen.


Bevor wir die Mautstelle passierten, gab es von Jakob noch einen prüfenden Blick in den Motorraum. Ja, Ihr habt richtig gesehen, das Autschgi hat den Motor auf der Rückseite. Vorne unter der "Haube" befindet sich lediglich ein klitzekleiner Kofferraum.


Es dauerte nicht lange und schon konnten wir die ersten Schneefelder und steilen Abhänge entdecken.



Leider war es mit der Sonne bald vorbei. Bis zum Nachmittag zog es total zu und gegen Abend schaute man nur noch in eine weiße Wand. Wir hofften natürlich sehr, dass das Wetter nicht so bleiben würde, denn was wäre eine Panoramastraße ohne Aussicht?






Am Tag unserer Großglocknerbezwingung fand auch die Österreichische Radrundfahrt mitsamt der Glockner-Etappe und Kür des Bergkönigs statt. Die Radler brauchen von unten bis zur Edelweißspitze ca. 40 Minuten. Ein Wahnsinn, oder nicht?






Ganz, ganz, ganz oben am linken Rand des Bildes ist die Edelsweißspitze zu sehen. Sie ist das Ziel!


Der Fiat vor dem Fuscher Törl! Ab diesem Zeitpunkt an war es nur noch bewölkt. Es ist leider den ganzen Tag nicht mehr besser geworden. Somit konnten wir auch keine weiteren kleinen Wanderungen, die sich rund um die Panoramastraße anbieten, mehr unternehmen.


Die letzte Hürde der Radrundfahrt auf den Glockner hinauf konnten wir sogar in der Pole-Position erleben. Nachdem es beim Fuscher Törl aufgrund der Kälte nicht mehr besonders angenehm war, beschlossen wir Richtung Edelweißspitze aufzubrechen. Doch hier war schon alles gesperrt. Wir wurden von der Polizei gebeten wieder zurückzufahren und das Event abzuwarten. Doch Spucki wollte nicht mehr und blieb einfach stehen. Wenn er mal absäuft, dann kann das schon dauern bis er wieder startet. Also wurde er einfach zur Seite geschoben.



So ein Radrennen ist schon etwas ganz Besonderes. Man mag es kaum glauben, aber nach der Siegerehrung war der Zirkus innerhalb von einer halben Stunde vorbei und sämtliche Autos und Werbefahrzeuge wieder verschwunden. Auch die Leute die bei so einem Zirkus dabei sind, trifft man nicht alle Tage. Insbesondere bei der Besatzung der Begleitfahrzeuge herrscht eine ausgeprägte Jetzt-komme-ich-Stimmung vor. Nichts für uns. Übrigens - der Fiat hat es sogar für eine Millisekunde ins Fernsehen geschafft :)


Dadada - wir haben es geschafft. Der Fiat rollt vor den Parkplatz der Edelweißhütte und bekommt seine verdiente Pause für die tapfer überstandene Bergfahrt. So gut er auch gefahren ist, die Höhenluft hat ihm doch ein wenig zugesetzt. Je dünner die Luft wurde, desto öfter kam es zu Aussetzern bei der Zündung im Leerlauf.


Station 3: Kaiser-Franz-Josefs-Höhe - mit dem Fiat 500 zum Höhepunkt der Panoramastraße

Nächsten Morgen dann der Hammer - blauer Himmel und Sonnenschein. Ein gigantischer Ausblick über die gesamte Gebirgslandschaft. So etwas muss man einfach mal in natura gesehen haben.





Die Edelsweißhütte ist der höchste mit dem Auto erreichbare Punkt (2571 Meter über dem Meeresspiegel). So durfte an dieser Stelle natürlich kein Starfoto fehlen. Danach ging es weiter zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus hat man einen perfekten Blick auf den Großglockner und die Pasterze. Sie ist auch das Ziel aller anderen Touristen.







Dieses Mal ein Bild vom Fuscher Törl bei schönem Wetter. Sieht doch gleich ganz anders aus. Das Fuscher Törl ist übrigens ein Denkmal für alle Arbeiter, die beim Bau der Glocknerstraße verunglückt sind. Flankiert wird es von den Landesfahnen Kärntens und Salzburgs.



Eine Pause legten wir natürlich auch bei der Fuscher Lacke ein. Hierbei handelt es sich um einen kleinen, eiskalten Bergsee, der sich idyllisch in die Gebirgslandschaft schmiegt. Auf der Alm ist gerade Frühling und das kam an diesem Ort perfekt zum Ausdruck. Doch auch diese Bilder zu zeigen würde den Rahmen sprengen, dafür wird es einen eigenen Post geben. Ach ja, neben dem See gibt es dort auch eine Hütte, den Mankei-Wirt - sehr empfehlenswert. Der Besitzer kümmert sich mit Liebe um Murmeltiere und mit ein bisschen Glück bekommt man dort eines zu Gesicht.


Nach der Fuscher Lacke folgt recht bald das Hochtor. Hier finden sich einige zu Fuß und ohne richtige Bergausrüstung erreichbare Schneefelder.





Kurz bevor man zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe gelangt, kommt man in diesem wunderschönen Wasserfall vorbei.



Die letzte große Hürde für den Fiat war die Galerie auf dem folgenden Bild. Obwohl es gar nicht so steil aussieht, steigt es kontinuierlich an und das ist für ein Auto mit lediglich 23 PS sehr Kräfte zehrend.



Und da ist er - der letzte Rest der Pasterze, des größten Gletschers in Österreich. Viel ist nicht mehr übrig - leider! Der Gletscher bildet sich rasant zurück. Dahinter ist überigens die Hohe Dock zu sehen.


Mit einer Standseilbahn aus den 60ern kann man nostalgiemäßig innerhalb weniger Minuten hinunter zur Gletscherzunge fahren. Einstmals stieg man aus und stand direkt vor dem Gletscher. Heute muss man ganz schön weit gehen bis man ihn erreicht. Von 2015 bis 2016 ist er um gut 50m geschmolzen - man sieht es an den Tafeln.


Das Schwemmgebiet des Gletschers wirkt wie eine Mondlandschaft auf uns. Da wir etwas spät dran waren und noch die letzte Auffahrt mit der Nostalgiebahn schaffen mussten, blieb uns nicht so viel Zeit herumzuwandern.



Falls Euch diese Frage auf den Lippen brennt - ja, das Wasser ist eiskalt. Genauso wie man es sich erwarten würde.




Seht Ihr das Haus in der Mitte des Bildes? Dort ist der Parkplatz - dahin mussten wir wieder zurück!




Der schroffe Spitz ist der Großglockner - der höchste Berg Österreichs. In der Sternenwarte von Swarowski (das Gebäude, welches aussieht wie ein Bergkristall) konnte man mit Hilfe von Fernrohren sogar eine ganze Bergsteigergruppe am Gipfel des Glockners beobachten.


Hier ist eine der Hütten direkt unter dem Gipfel des Glockners zu sehen. Sie dient den Bergsteigern wohl als eine Art Basislager.



Er darf auch nicht fehlen - Kaiser Franz Josef - nach ihm ist dieser Teil der Panoramastraße auch benannt.


Ein Murmeltier bekamen wir auch vor die Linse. Es tummeln sich zwar einige von ihnen auf den warmen Sonnenhängen, aber so leicht ist es dann auch wieder nicht. Von den vielen Touristen lassen sie sich überhaupt nicht beirren.


Die Swarowski-Sternenwarte sollte man auch unbedingt besuchen. Hier stehen die oben erwähnten Fernrohre.



Station 4: Millstatt - der Fiat 500 ist ein wenig beleidigt

Nach diesem traumhaften Tag im Gebirge ging es am Abend nach Millstatt am Millstättersee. Am darauffolgenden Morgen sollte dann die letzte Etappe unserer Reise beginnen. Geplant war es von Millstatt über die Nockalpenstraße in die Steiermark zu fahren. Einen Großteil der Strecke haben wir auch geschafft, aber leider fand die Reise ein jähes Ende.


Kurz vor der Abfahrt musste Jakob ein wenig am Vergaser nachbessern. Bereits am Vortag gab es hier leichte Probleme. Grundsätzlich schien danach wieder alles zu funktionieren und wir beschlossen noch einen Rundgang durch Millstatt zumachen.





Station 5: Nockberge - mit dem Fiat 500 auf zur letzten Etappe

Die Nockberge bieten ein ganz anderes Bild. Sie sind sanft und mit saftigen Almwiesen überzogen. Ein traumhaftes Wandergebiet. Gehört der Großglockner zum Nationalpark Hohetauern so zählen die Nockberge zu einem Biosphärenpark. Der Unterschied liegt darin, dass in einem Biosphärenpark die landwirtschaftliche Nutzung erlaubt ist.




Wenn man auf der Nockalmstraße unterwegs ist, muss man unbedingt eine Pause beim idyllischen Windalmsee einlegen.


Dieses Schild ist für all jene Touristen gedacht, die meinen man kann mit Pumps wandern gehen. Kein Scherz: am Großglockner sahen wir eine Dame mit Plateau-Sandalen! Solche Schilder haben daher eine gewisse Berechtigung.









Bevor es Richtung Steiermark ging, erklommen wir noch die Eisenthalspitze. Vom "Gipfel" aus hat man einen perfekten Blick über die ganze Region.


Tja, und kaum waren wir von den Nockbergen herunten war Schluss mit lustig. In Innerkrems wollte der Fiat nicht mehr. Schon beim Bergabfahren hatte er Probleme das Gas anzunehmen, am Ende wollte die Zündung nicht mehr. Doch die Rettungskette funktionierte perfekt: mit dem ÖAMTC ging es nach Tamsweg, danach per Papa-Taxi ins Murtal und von dort mit dem Mama-Taxi wieder nach Hause.




Der Fiat kam eine Woche nach uns via Schutzbrief des ÖAMTC wieder nach Hause. Er steht nun wieder in der Garage und wartet auf eine neuerliche Reparatur.

Die Blumenbilder gibt es hier!

Bis bald und baba!

Kommentare:

  1. Liebe Kathrin,
    Du hast so Recht, warum in die ferne schweifen, wenn das Gute / Schöne liegt so nah!
    DANKE für diesen wudnerbaren Reisebericht zum Großglockner und drumherum!
    Der kleine Fiat hat sich brav geschlagen, nun hat er Ruhe und eine Rehakur verdient *schmunzel*
    Es hat mir viel Spaß gemacht, diese Reise zu verfolgen :O)
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag und einen guten Start in ein wunderschönes Sommer- Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

    AntwortenLöschen
  2. Ach, liebe Kathrin, zum Schluss mußte ich laut lachen. Und ich schwöre Dir bei allem, was mir heilig ist, ich habe Gänsehaut auf beiden Armen und auf dem Kopf. Ich war voll bei Euch und ich muß es mal sagen: Ich finde, Du und der Jakob, Ihr beide seid für mich ein Dream-Team und nicht erst seit jetzt. Dass Ihr Euch sowas traut, toll. In Eurer Ehe wird es nie landweilig werden. Ich komme noch mal zurück und werde mir jedes einzelne Foto in Vergrößerung anschauen. Ich liebe die Bergwelt. Aber, um ehrlich zu sein, diese Fahrt hätte ich nicht überlebt. Man merkt, daß Ihr Kinder der Berge seid. Als ich zwischendurch die Serpentinen sah, wurde mir schwindelig. Die Berge hochzufahren, finde ich nicht schlimm. Zurück würde ich lieber mit dem Hubschrauber oder Sportflugzeug. Ich habe heute noch Traumata von einer Rückfahrt von Gargellen und dann noch einmal von der Hochalpenstraße.
    Danke für die traumhaft schönen Bilder und dafür, dass ich auf meine alten Tage einmal - gefahrlos - den Grossglockner besuchen durfte.
    Liebe Grüße Euch beiden von Edith

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hat sich noch ein Tippfehler eingeschlichen. Richtig muß es heißen: nie langweilig werden...' LG Edith

      Löschen
  3. boaaaah..
    traumhafte Bilder.. was für eine Fahrt
    und das mit dem kleinen Floh..
    so einen hatte mein Vater und später auch eine Tochter (erstes Auto)
    tapfer hat er durchgehalten der Kleine.. bis fast zum Schluss
    die Nockalm.. ja.. da sind wir auch einmal gefahren es war wunderschön..
    danke fürs Zeigen
    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Kathrin!
    Ja, "unser" Österreich ist schon schön! Wir waren auch schon einmal mit dem Auto auf dem Großglockner, die Panoramastraße ist wunderschön. Du hast das ganze Abenteuer mit super Fotos festgehalten, und ich hab echt mitgezittert, ob Euer Spucki es schafft. Letztendlich hat er ja brav durchgehalten. Ich finde es super, dass Ihr Euch in dieses Abenteuer gestürzt habt - bin mir nicht sicher, ob ich mich das getraut hätte.
    Ganz liebe Grüße
    Karen

    AntwortenLöschen
  5. Liebe Kathrin,
    obwohl ich hier schon im Juli flüchtig gelesen habe, wollte ich immer noch einmal ganz ausführlich und genüsslich eure abenteuerliche Auto-Reise verfolgen. Habe ich leider erst heute geschafft und ich bin immer noch ganz von den wunderschönen Fotos verzaubert. Ich liebe Berge, Wald und Wiesen. Ich wundere mich noch immer wie euer kleines schnuckelige Autochen diese Höhenmeter geschafft hat. Die Weißwandringe stehen im richtig gut. Wie man da allerdings freiwillig mit dem Fahrrad herauffahren kann, ist mir ein Rätsel. Also für mich wäre das nichts (lach). Im übrigen seid ihr ein richtig fesches Ehepaar ;-))).
    Vielen Dank für diesen Super-Tollen-Reisebericht. Ich habe ihn sehr genossen.
    Viele liebe Grüße
    Ursula

    AntwortenLöschen
  6. Was für ein Abenteuer für die "Knutschkugel" - so heißen bei uns die 500er Fiats. Ich bin 2012 am Großglockner wandern gewesen und habe mich durch Deine Photos zurückversetzt gefühlt.
    herzlich Judika

    AntwortenLöschen